die
Wurmlinger Kapelle


Ludwig Uhland
- Tübingen -

LudwigUhland
                      Ludwig Uhland
                          1787-1862

 


droben stehet die Kapelle...

WurmlingerKapell


Der Wurmlinger Berg mit Kapelle
48°30'23''N / 8°58'57''O / 474,4 m
54942811
               The perfect sunrise 2011 - By Klein-Bonsels je suis Charlie

 
Wurmlinger Kapelle
Fr 18.Mär 2016



die Wurmlinger Kapelle:

1050
zur Zeit von Papst Leo IX als Grabkapelle des Stifters Graf Anselm von Calw errichtet.

1150
romanische Krypta

1644
im 30-jährigen Krieg wurde der gotische Nachfolgebau durch Feuer zerstört.

1685
Einweihung der heute noch stehenden barocken Kapelle.


wikipedia:

Der Sage nach soll Graf Anselm von Calw angeordnet haben, dass er nach seinem Tod auf einen Wagen gelegt werden solle, der von zwei Ochsen gezogen werden solle. Dort, wo sie anhielten, solle seine Grabkapelle erbaut werden.

Man vermutet jedoch, dass diese Ochsen nicht auf den Kapellenberg stiegen, sondern am Fuße halt machten.


Wenn man sich klarmacht, dass die Kapelle sehr genau nach Osten und Westen ausgerichtet ist,

wenn man sich klarmacht, wie wichtig für die Erbauer der Kapelle diese Orientierung war,

wenn man von der Wurmlinger Kapelle
eine freie Sicht auf den fernen Horizont gerade im Osten und Westen hat,

und wenn man weiß, dass es nur wenige solcher Berge gibt,

dann komme ich zu dem Schluss:
dieser Ort ist von Menschen ausgesucht, die genau wussten, wonach sie suchten.

Diese Suche zwei Ochsen zu überlassen, wäre ein schwerer Fehler gewesen.

Da hätte man auch gleich einen Esel nehmen können !


Beitrag von Andrea Bachmann
im Tübinger Tagblatt-Anzeiger
Mi 21.Sep 2016

WurmlingerKapelle


Die Kapelle

Droben stehet die Kapelle,
Schauet still ins Tal hinab.
Drunten singt bei Wies und Quelle
Froh und hell der Hirtenknab.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
Schauerlich der Leichenchor,
Stille sind die frohen Lieder,
und der Knabe lauscht empor.

Droben trägt man sie zu Grabe,
die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe !
Dir auch singt man dort einmal.

Ludwig Uhland
1787-1862

 

Die Wurmlinger Kapelle

Luftig, wie ein leichter Kahn,
Auf des Hügels grüner Welle
schwebt sie lächelnd himmelan,
Dort die friedliche Kapelle.

Einst bei Sonnenuntergang
schritt ich durch die öden Räume,
Priesterwort und Festgesang
Säuselten um mich wie Träume.

Und Marias schönes Bild
Schien vom Altar sich zu senken,
Schien in Trauer, heilig mild,
Alter Tage zu gedenken.

Rötlich kommt der Morgenschein,
Und es kehrt der Abendschimmer
Treulich bei dem Bilde ein;
Doch die Menschen kommen nimmer.

Leise werd ich hier umweht
Von geheimen, frohen Schauern,
Gleich als hätt ein fromm Gebet
Sich verspätet in den Mauern.

Scheidend grüßet hell und klar
noch die Sonn in die Kapelle,
Und der Gräber stille Schar
Liegt so traulich vor der Schwelle.

Freundlich schmiegt des Herbstes Ruh
Sich an die verlaßnen Grüfte.
Dort, dem fernen Süden zu,
Wandern Vögel durch die Lüfte.

Alles schlummert, alles schweigt,
Mancher Hügel ist versunken,
Und die Kreuze stehn geneigt
Auf den Gräbern - schlafestrunken.

Und der Baum im Abendwind
Läßt sein Laub zu Boden wallen,
Wie ein schlafergriffnes Kind
Läßt sein buntes Spielzeug fallen.

Hier ist all mein Erdenleid
Wie ein trüber Duft zerflossen.
Süße Todesmüdigkeit
Hält die Seele hier umschlossen.

Nikolaus Lenau
1832
 


Das Wetter am Sa 21.Sep 1805

 Rückwärts-Prognose:
 Sa 21.Sep 1805 12h

 Vorlage: NOOA Di 21.Sep 1999 12h
 Periode: -194 Jahre = -2399,444 Lunationen = -70856,98 Tage

1999Sep21

 Rückwärts-Prognose:
 Sa 21.Sep 1805 12h

 Vorlage: KNMI Mi 20.Sep 2006 12h
 Periode: - 201 Jahre = - 2486 Lunationen = - 73413,04 Tage

analyse 2006092012

 Rückwärts-Prognose:
 Sa 21.Sep 1805 6h

 Vorlage: KNMI Di 30.Sep 2003 6h
 Periode: -2449,222 Lunationen = -72326,97 Tage = -198 Jahre 09d

analyse 2003093006

 

Wenn Ludwig Uhland seine Wanderung zur Wurmlinger Kapelle am Sa 21.Sep 1805 unternahm, 
so kann man annehmen, dass an diesem Tage schönes Wetter war.

Mit drei sehr langen Perioden habe ich versucht, die Wetterlage dieses Tages herauszufinden.
Beide Perioden zeigen keine perfekt gleiche aber doch eine ähnliche Wetterlage:

Wetter am Sa 21.Sep 1805:
Hoher Luftdruck bei Mittel- oder Osteuropa, Tiefer Luftdruck über dem Atlantik.

In Deutschland ist es trocken bei sonnigem und warmem Wetter.
Höchsttemperaturen um die 20°C.


Am 23.Sep 1805 ist das Herbst-Äquinoktium und auch Neumond.
Am Sa 21.Sep 1805 war am Morgen die letzte Mondsichel schön sichtbar gewesen.

Diese Ereignisse, der beginnende Herbst und das schöne Wetter
hatten Ludwig Uhland wohl die Idee für die Wanderung zur Wurmlinger Kapelle gegeben.

Mond1805
 Letzte Mondsichel  Tübingen                                                              Sa 21.Sep 1805  5h MEZ

 



Die Ausrichtung der Wurmlinger Kapelle

Die Wurmlinger Kapelle steht etwa in Ost-West Richtung. Ost wäre 90°, West wäre 270°.
Die tatsächlichen Werte (wie ich sie finde) sind aber 90,55° und 270,55°.
Das ist die Richtung der Längsachse.


Das bedeutet, daß beim Frühlings- und Herbstäquinoktium kurz nach Sonnenaufgang
die Sonne in Richtung der Längsachse steht.

Z.B. am Mo 20.Mär 2017:
SA am natürlichen Horizont 6.28h MEZ
Sonne Richtung 90,55° 6.34h MEZ

Z.B. am Fr 22.Sep 2017:
SA am natürlichen Horizont 7.12h MESZ
Sonne Richtung 90,55° 7.20h MESZ


Und dass beim Frühlings- und Herbstäquinoktium die Sonne untergeht,
wenn sie wieder in Richtung der Längsachse steht.

Z.B. am Mo 20.Mär 2017:
SU am natürlichen Horizont 18.36h MEZ
Sonne Richtung 270,55° 18.34h MEZ

Z.B. am Fr 22.Sep 2017:
SU am natürlichen Horizont 19.21h MESZ
Sonne Richtung 270,55° 19.19h MESZ

Die Sonne ist also schon am Untergehen,
wenn sie in Richtung der Lägsachse steht.


 

WurmlingerHauptachse
 

 


Die Ausrichtung der Grabkapelle
in Ost-West Richtung -
und der tiefere Sinn:

Bei Sonnenuntergang auf der Westseite, "stirbt" hier die Sonne,
um am nächsten Morgen auf der Ostseite wieder zu Leben zu erwachen.

Beim Sonnenuntergang auf der Westseite am Tage des Herbst-Äquinoktiums (22/23.September),
stirbt die Sonne zum einen ihren täglichen Tod.

Zugleich wandert die Sonne aber auch unter den Himmelsäquator
und begibt sich sich somit in das "Grab" der Winterzeit.

Beim Sonnenaufgang auf der Ostseite erwacht die Sonne täglich wieder zum Leben.

Aber beim Aufgang am Tage des Frühlings-Äquinoktiums (20/21.März)
entsteigt sie auch dem "Grab" der Winterzeit -

und erwacht auch in diesem Sinne wieder zu neuem Leben.


Bei der Wurmlinger Kapelle ist der Eingang zur Grabkammer an der Ostseite der Kapelle.
Dort führt eine steinerne Treppe hinab.

Nach dem Sonnenaufgang beim Frühlings- oder Herbstäquinoktium
leuchtet die Sonne genau zur Grabkammer, der Krypta, hinunter.


Mi 21.Dez 2016
Wintersonnwende

Sonnenuntergang

Heute ging ich zu Fuß von Rottenburg zur Wurmlinger Kapelle.

Ich ging los etwa um 15.05 h und war um 16.20 h bei der Kapelle oben.

Ich hatte zuvor gerechnet, dass der offizielle SU um 16.31.18 h sein würde
und der Untergang etwa 4 min dauern würde.

Ich konnte auch annehmen, dass am natürlichen Horizont der Untergang wohl 1 min früher wäre.

Als ich dann sah, wie die Sonne etwa gegen 16.25 h den Horizont berührte,
da war klar, dass der SU etwa 2 Minuten früher wäre.

Ich sah die Sonne untergehen um 16.29.17 h MEZ.


Wenn ich annehme, dass die Sonne bei der Wurmlinger Kapelle immer 2 min 01 s vor dem offiziellen
Sonnenuntergang untergeht, so komme ich diesen Ergebnissen:

frühester SU um den 11.Dezember etwa 16.26.40 h MEZ

spätester SU am 25./26.Juni etwa 21.28.05 h MESZ


Gegendämmerung

Auf der anderen Seite, gegenüber der Sonne, sah ich um 16.35h die Gegendämmerung.

Zuerst war da das rosa Leuchten über dem Ost- oder fast NO-Horizont.

um 16.40 h war dieses rosa Leuchten stärker.

gegen 16.41-42 h wurde das Blau oder Grau-Blau darunter gut sichtbar.

gegen 16.44 h (Sonne -2,5°) erreichte die Gegendämmerung das Maximum.
Das ist etwa der Zeitpunkt, wenn die grau-blaue Zone über dem Horizont
etwa gleich breit ist wie das rosa Leuchten darüber.

img297

 

Bemerkenswert, dass ich auf den gleichen Sonnenstand komme (Sonne 2,5° unter dem Horizont)
wie Björn Witha mit seinem Bild.

Dieses dunkle Grau-Blau über dem Horizont wird oft auch als das Auftauchen des Erdschattens erklärt.


Gegen 16.45 h machte ich mich auf den Rückweg.

Es war mir kühl geworden, und ich meinte, die Lufttemperatur wäre wohl unter 0°C.

An den Sträuchern den Berg hinunter glänzte es wie Wassertropfen.

Müssten die nicht gefroren sein ?

Ich stupfte sie an - es waren Wassertropfen !

Etwas überraschend.